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Konfuzianismus und Demokratie

Kulturtheorien sehen einen direkten Zusammenhang zwischen religiös-kulturellen Traditionen und ihren Einfluss auf eine bestimmte Staatsverfassung. Diese Traditionen werden deshalb als wichtig angesehen, weil sie anders als politische oder gesellschaftliche Institutionen nicht kurzfristigen Veränderungen unterworfen sind. Um jahrhundertelang bestehende Traditionen und Kulturen zu ändern bedarf es äußerst langfristiger Prozesse.

Der Hauptvertreter der These, dass Konfuzianismus und Demokratie nicht miteinander vereinbar sind, ist Samuel P. Huntington, der sogar eine Verbindung zwischen westlichem Christentum und moderner Demokratie herstellt. Huntington vertritt die These, der klassische Konfuzianismus sei antidemokratisch , insbesondere wegen des Vorrangs der Gruppe vor dem Individuum, seiner familienbezogenen und patriarchalischen Traditionen und des Fehlens eines Rechtssystems, welches über dem Staat steht.

Francis Fukuyama hebt hingegen die demokratiefördernden Aspekte des Konfuzianismus hervor. Dabei betont er die Wertlegung des Konfuzianismus auf Bildung, was in der Modernisierungstheorie als demokratiefördernd angesehen wird. Ohne Bildung kann das Volk nicht über die Demokratiedebatte informiert sein und so auch nicht an der Demokratie teilnehmen. Bildung bewirkt auch die Abkehr von ökonomisch geprägtem Denken zu politischem Denken und dem damit verbundenen Willen nach Beteiligung am politischen Entscheidungsprozess. Des weiteren betont er die Toleranz des Konfuzianismus. Nach ihm hat in der Vergangenheit der Konfuzianismus mit verschiedenen Religionen wie dem Christentum und vor allem dem Buddhismus koexistiert. Diese Toleranz hat der Konfuzianismus dem Christentum voraus.

Huntington übersieht bei seiner These vom Zusammenhang zwischen Christentum und Demokratie erstens die Tatsache, dass im Christentum ebenfalls nicht das Recht die oberste Instanz ist. Letzte Instanz ist hier nicht das weltliche Gericht sondern die Gewissensentscheidung vor Gott. Zweitens vergisst er, dass die Aufklärung in Europa, in deren Folge die modernen Demokratietheorien entstanden sind, eine anti-religiöse Bewegung war.

Weiterhin hebt Fukuyama hervor, dass der Konfuzianismus weniger eine politische Lehre als ein moralische Lehre war, die das Zusammenleben zwischen Familie, Arbeit, Erziehung und anderen Elementen das täglichen Lebens regelte. Inzwischen haben mit Taiwan und der Republik Südkorea zwei weitere Staaten, die Huntington dem konfuzianischen Kulturkreis zurechnet, eine erfolgreiche Transformation von einem autokratischen zu einem demokratischen Staat hinter sich und befinden sich trotz systeminterner Defekte auf dem Weg zu einer erfolgreichen Konsolidierung.

Ein Zusammenhang zwischen einer ausbleibenden Demokratisierung der Volksrepublik China und dem Konfuzianismus lässt sich in diesem Zusammenhang nicht feststellen.

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