Chinesische Geschichte: Ming-Dynastie

Zhu Yuanzhong war der erste Kaiser der Ming-Dynastie. Er wurde später mit dem Kaisernamen Ming Taizu (Großer Ahnherr der Ming) versehen. Seine Regierungsdevise war hongwu (dt.: ungeheuer kriegerisch). Er war ein Mann aus dem Volk, der sich an die Spitze eines Volksaufstandes gegen die herrschende Yuan-Dynastie, die ja eine Fremdherrschaft der Mongolen über China darstellte, setzen konnte. Die Oberschicht schloss sich erst im Nachhinein dem Aufstand gegen die Mongolen an, die Mongolen-Dynastie wurde also durch einen Aufstand des Volkes gestürzt und ein Mann aus dem Volk wurde Kaiser der neuen Dynastie.

Der Großvater des Kaisers war ein Goldwäscher gewesen, der Vater ein einfacher Wanderarbeiter. Er selbst wurde Mönch, um einer Hungersnot zu entgehen. Er übernahm 1348 die Führung einer kleinen Gruppe von Aufständischen, die schließlich so stark wurde, dass er ein großes Gebiet in Anhui erobern konnte. Er verbündete sich mit dem Geheimbund der "Roten Turbane" und schaltete einen Rivalen nach dem anderen im Süden aus. Die Ming-Dynastie gründete er im Jahre 1368 in Najing, kurz bevor er die Hauptstadt der Mongolen, Peking einnahm.

Die Regierungszeit Ming Taizus

Zu Beginn seiner Regierungszeit war der Kaiser vor allem damit beschäftigt, die Mongolen vollständig aus dem Reich zu vertreiben und dann auch in die Mongolei selbst einzudringen. Er dehnte das Chinesische Reich in die Mongolei, Sichuan, Gansu und Yunnan aus. 1387 war China wieder vereint. Die Sicherung Chinas wurde in den folgenden Jahren auch durch seine Nachfolger durch eine konsequente Expansionspolitik betrieben.

Die schwierigste Aufgabe für den Wiederaufbau Chinas waren die Reorganisation der Verwaltung, der Landwirtschaft und die Kontrolle des Volkes.

Der neue Kaiser war von tiefem Misstrauen gegenüber den gebildeten Beamten geprägt, was wahrscheinlich auch mit Minderwertigkeitskomplexen zu erklären ist, da er, was die literarische Bildung anging, seinen Hofbeamten unterlegen war. Er versuchte, die Macht soweit wie möglich in seine Hand zu bekommen und führte ein strenges Hofzeremoniell ein, mit dem seine Beamten ihm quasi täglich ihre Unterwerfung verdeutlichen mussten. Sie durften sich seinem Thron nur kriechend nähern und mussten dann den Kotau vollziehen. Auf den Knien nahmen sie dann die Befehle des Kaisers entgegen. Das Amt des Kanzlers schaffte er ab, alle Entscheidungen, die das Reich betrafen, wurden von ihm getroffen.

Der Verwaltungsapparat und Kontrolle der Bevölkerung

Der Verwaltungsapparat wurde von Taizu umstrukturiert. Er schuf die 6 Ministerien für Justiz, Finanzen, Verwaltung, Riten, öffentliche Arbeiten und Heereswesen, die ihm persönlich unterstanden. Das früher sehr mächtige Amt für Innere Angelegenheiten (neige) hatte nur noch beratende Funktion. Die Macht der Eunuchen sollte beschnitten werden, indem ihre Zahl auf 100 beschränkt wurde. Ebenso wurde die Zahl der Haremsdamen auf 100 beschränkt, um den Kaiser nicht zu sehr von seinen Regierungspflichten abzulenken (diese Zahl wurde später vom Yongle-Kaiser nicht mehr beachtet). Das Reich teilte Taizu in 16 Provinzen ein, die der Zentralregierung direkt unterstanden. Die Steuern wurden nach einem neuen System erhoben, dem lijia. Die Bevölkerung wurde in Familiengruppen zusammengefasst, die sich fast selbst verwalteten, aber gemeinsam für Sicherheit, Steuerzahlung, Dienstleistungen usw. verantwortlich waren. Zur Kontrolle und Einteilung der Familiengruppen wurden mehrere Volkszählungen seit dem 15. Jahrh. durchgeführt.

Das neue System barg stark absolutistische Tendenzen. Sowohl Beamten als auch die Bevölkerung waren einer intensiven Bespitzelung der Geheimpolizei des Kaisers ausgesetzt. Politische Gegner schaltete Taizu nach und nach in großen Säuberungswellen aus. Beamte rekrutierte er mit Vorliebe aus der einfachen Bevölkerung.

Aufbau der Landwirtschaft

Die dringendsten Aufgaben bestanden darin, Dämme und Kanäle wieder aufzubauen sowie Felder neu zu erschließen. Die Anstrengungen dieser Zeit waren enorm. Flüsse wurden durch Dämme reguliert, die Bevölkerung wurde in verwüstete Regionen umgesiedelt und bauten diese mit Hilfe staatlicher Zuschüsse wieder auf. Mit dem Ziel eine Hochseeflotte zu bauen, wurden umfangreiche Wiederaufforstungsmaßnahmen betrieben. Die Wirtschaft des Reiches sollte sich vor allem auf Landwirtschaft und die Produktion eigener Güter gründen, der Handel, der z.B. in der Zeit der Song-Dynastie noch eine große Rolle gespielt hatte, wurde vernachlässigt.

Bemerkenswerte Ereignisse in der Ming-Dynastie

1421: Peking wird zur Hauptstadt der Ming (vorher Nanjing)

1405-1433: Der berühmte Seefahrer Zheng He unternimmt sieben Seefahrten und erreicht auch Afrika

1505: Der Eunuch Liu Jin übernimmt quasi die Regierungsgeschäfte

1513: Der portugiesische Seefahrer Jorge Alvarez erreicht China

1557: Handelshafen der Portugiesen in Macao

1582: Matteo Ricci erreicht Südchina

1601: Der Jesuitenpater Matteo Ricci erreicht Peking

Der Untergang der Dynastie

Unter dem Kaiser Ming Taizong erreichte die Ming-Dynastie früh ihren Höhepunkt. In dieser Zeit hätte eigentlich die Grundlage für ein chinesisches Weltreich gelegt werden können. Der berühmte Zheng He, ein muslimischer Eunuch aus Yunnan, unternahm in dieser Zeit mehrere Seefahrten, die ihn bis nach Indien und Afrika brachten. Nach seinen Fahrten wurde zumindest die staatlich geförderte Seefahrt eingeschränkt, der Handel im Südchinesischen Meer blühte jedoch. Die Kaiser mussten sich jedoch wieder Problemen im Inneren Asiens zuwenden, was bis hinein in die Qing-Dynastie Priorität über eine See-Expansion genießen sollte.

Ein Gegner aus dem Inneren Asiens führte zum Untergang der Ming-Dynastie, obwohl das Reich in seiner Endphase durch schwache Kaiser und Intrigen zwischen den Eunuchen und Beamten bereits geschwächt war.

Bereits 1616 rief der Anführer der Mandschu, Nurhaci, seine eigene Dynastie aus und nahm den Kaisertitel an. Dass der Ming-Kaiser nicht in der Lage war, dies zu unterbinden, verdeutlicht die damalige Machtlosigkeit der untergehenden Dynastie. 1618 eroberte er große Teile der Mandschurei. Dazu kamen innere Unruhen durch unzufriedene Bauern, die durch hohe Steuern und Hungerkatastrophen in die Armut und damit zu Aufständen getrieben wurden. 1644 wurde Peking von Aufständischen unter dem Rebellenführer Li Zicheng belagert. Der Ming-General wollte ihn mit Hilfe der Mandschu vertreiben. Diese nutzten jedoch die Chance und errichteten selbst eine neue Herrscherdynastie. Der Widerstand der Ming-Dynastie sollte noch bis 1662 dauern, weshalb man bis zu dieser Zeit auch noch von der Südlichen Ming-Dynastie spricht.

Alle Kaiser der Ming-Dynastie

Name

Kaisername

Regierung- devise

Regierungszeit

Zhu Yuanzhong

Ming Taizu

hongwu

1368 - 1398

Zhu Yunwen

Gongmin Hui

jiannwen

1399-1402

Zhu Di

Taizong (Chengzu)

yongle

1402-1424

Zhu Gaochi

Renzong

hongxi

1424-1425

Zhu Zhanji

Xuanzong

xuande

1425-1435

Zhu Qizhen

Yingzong

zhengtong

1435-1449

Zhu Qiyu

Daizong

jingtai

1449-1457

Zhu Qizhen

Yingzong

tianshun

1457-1464

Zhu Jianshen

Xianzong

chenghua

1464-1487

Zhu Youtang

Xiaozong

hongzhi

1487-1505

Zhu Houzhao

Wuzong

zhengde

1505-1521

Zhu Houcong

Shizong

jiajing

1521-1566

Zhu Zaihou

Muzong

longqing

1566-1572

Zhu Yijun

Shenzong

wanli

1572-1620

Zhu Changluo

Guangzong

taichang

1620-1620

Zhu Youjiao

Xizong

tianqi

1620-1627

Zhu Youjian

Sizong

chongzhen

1627-1644

nächster Artikel: Die Qing-Dynastie