Forum

Diskutieren Sie in unserem Forum mit anderen
Lesern der Chinaseite und lassen Sie sich von
Experten beraten.

Sie haben eine Frage? Hier finden Sie Ihre Antwort.

China Newsletter abbonieren

Der Newsletter der Chinaseite informiert Sie
regelmäßig über neue Inhalte, Events und Wissenswertes rund um China.

Interesse? Dann melden Sie sich an.

Anzeige

Chinesisch lernen und Praktikum in China

Vorbereitungen für das Chinesische Neue Jahr

Chinesisches Neujahr

Leseprobe aus dem Buch "Unter Chinesen - Mein Jahr in China" von Michaela Lehner

Peking bereitete sich auf das nahende chinesische Neue Jahr vor. Die Bedeutung, die Weihnachten und Neujahr im Westen einnimmt, genießt das chinesische Neue Jahr in China. Es ist die wichtigste Feier im Jahr. Dabei handelt es sich nicht nur um einen einzigen Tag sondern tatsächlich um 15 Tage. Die Feierlichkeiten beginnen mit dem letzten Tag des alten Jahres und enden offiziell mit dem 15ten Tag des neuen Jahres. Es wird im Kreis der Familie gefeiert, wozu viele in die Heimatstadt reisen, um diese besonderen Tage mit den Verwandten und Lieben zu verbringen. Im Kreis der Lieben wird gemeinsam gekocht und gegessen, man überreicht sich Geschenke und Kinder erhalten von den Älteren Geld in einem roten Umschlag, hong bao genannt. Das chinesische Jahr richtet sich nach dem Mondkalender und fällt daher jedes Jahr auf einen anderen Tag im Monat Januar oder Februar. Zudem ist jedes Jahr einem von zwölf Tieren gewidmet. Es nahte das Jahr des Affen. An Eingangstüren und Säulen wurden Papierdekorationen in verschiedensten Größen und Mustern befestigt. Männchen in traditioneller Kleidung, die ein Band mit chinesischen Glückwünschen ausgerollt in der Hand hielten, Goldfische und Affen zählten zu den häufigsten Motiven. Diese Papierdekore waren immer paarweise, jeweils zur linken und rechten Seite der Eingangstür befestigt. Rote Scherenschnitte hingen an Gebäudeeingängen und Hallen. Manche trugen filigrane Motive und Muster, andere hatten in ihrer Mitte ein einzelnes chinesisches Schriftzeichen. Gerade die chinesischen Zeichen für Reichtum und Frühling waren allgegenwärtig, da man sich Reichtum für das neue Jahr wünschte und das chinesische Neujahr, ‚Chun Jie’,(Frühlingsfest) auch den Frühling einläutete. Vor Hotels, Restaurants und entlang mancher Strassen wurden rote Stofflaternen aufgehangen, um diese für die Festtage zu schmücken. Ein weiteres Indiz der bevorstehenden Feiertage waren die lauthals explodierenden Feuerwerks- und Knallkörper. Eigentlich waren diese innerhalb des vierten Rings aus Feuerschutzgründen verboten. Doch diese Regel wurde schlichtweg ignoriert. Kaum wurde es Nacht, explodierten in der gesamten Stadt lautstark die Knallkörper. Feuerwerkskörper schossen in den nächtlichen Himmel. Obwohl es noch zwei Wochen bis zum chinesischen Neujahr dauerte, schallten nach Dunkelheitseinbruch die Knallkörper durch die Nacht. Diese wurden von Tag zu Tag mehr. Selbst nach Mitternacht hörte ich es noch in der Ferne knallen. Kaum glaubte ich den letzten Knallkörper gehört zu haben, explodierte wieder einer. Es nahm kein Ende und raubte mir dieser Tage den nächtlichen Schlaf.

Als Arbeitnehmer individuelle Urlaubstage zu haben ist in China ein noch neuer Gedanke. Es gibt von der Regierung festgelegte Feiertage, an denen Arbeitnehmern Urlaub gewährt werden muss. Staatlich geführte, sowie viele chinesische Kleinunternehmen und Märkte, folgen der offiziellen Feiertagsregelung. Darunter fallen das chinesische Neue Jahr, die gesamte erste Mai- und Oktoberwoche. Hier hat ganz China frei. Diese zentrale Feiertagsfestlegung, vor allem jedoch das chinesische Neue Jahr, fordert das Transportwesen heraus. Der Zug ist neben dem Flugzeug das Hauptverkehrsmittel, um lange Strecken zurückzulegen. Nachdem Chinaweit ein gut ausgebautes Zugnetz existiert, bietet es eine günstige Fortbewegungsalternative zum Flugzeug. Zu Stosszeiten wie den offiziellen Feiertagen entsteht jedoch ein riessen Ansturm auf die Fahrkarten. Stundenlang stehen Reisewillige in der Schlange, um eine Fahrkarte zu erhaschen. Das ganze erschwerend, können Fahrkarten erst vier Tage vor tatsächlicher Abreise gekauft werden. Will man verreisen, muss man zum Bahnhof, um ein Ticket zu erstehen. Sind alle vergriffen, muss man es am nächsten Tag eben nochmals versuchen. Auf den chinesischen Nationalsendern wurde dieser Tage stolz berichtet, wie die Zugkapazitäten durch Sonderzüge erhöht wurden, um die bevorstehende Reisewelle bewältigen zu können. Immer wieder wurde betont, dass die Fahrpreise stabil gehalten wurden, um auch Bauarbeitern und Niedriglohnempfängern die Heimreise während dieser so bedeutungsvollen Feiertage zu ermöglichen. Die bloße Vorstellung, welche Massenbewegung entsteht, wenn bei einer Bevölkerungsdichte von 1,3 Milliarden Menschen nur jeder zehnte verreist, machte klar, vor welche logistische Herausforderung das chinesische Transportwesen gestellt wurde. AirChina, die chinesische Nationalfluggesellschaft kündigte für die bevorstehenden Feiertage gar Direktverbindungen zwischen dem Festland und Taiwan an, um die Heimreise für Taiwanesen, die sonst nur über Hongkong möglich war, zu vereinfachen. In der Arbeit diskutierten die Kollegen bereits aufgeregt, ob und wann sie nach Hause fahren wollten. Die meisten hatten ihre Pläne für die bevorstehenden Feiertage bereits gemacht, doch das allgemeine Problem war das Zugticket. Sie wussten nicht, für wann sie einen Fahrschein ergattern konnten, so dass der tatsächliche Abreisetag noch unbestimmt war. Nur wenige entschieden sich zu fliegen. Diese Alternative war vielen zu teuer. Sie setzten sich lieber 24 oder mehr Stunden in den Zug, um durch halb China zu fahren, als zu fliegen. Andere stammten aus Dörfern, die weit entfernt von einem Flughafen waren. Zu fliegen brachte ihnen zeitlich keinen Vorteil. Keiner meiner Kollegen spielte mit dem Gedanken, ins Ausland zu verreisen. Zudem galten strenge Ausreiseregelungen für Chinesen, die die Reisevorbereitungen erschwerten, wenn nicht gar die Reise selbst unmöglich machten. Die in Peking lebenden Ausländer, obwohl gerade von ihrem Weihnachtsurlaub in der Heimat zurückgekommen, zog es wieder weg. Sie wollten dem kalten Winter Pekings entfliehen, um in einem südlichen Nachbarland wie Vietnam, Thailand oder den Phillipinen am Strand zu entspannen. Auch die chinesische Urlaubsinsel Hai Nan, das Hawaii Chinas, war ein beliebtes Ziel für Chinesen wie Ausländer. Über die Feiertage waren die Preise für Urlaubs- und Auslandsreisen in die Höhe geschnellt. Reisegesellschaften, die die noch neue Tourismusbranche für sich entdeckt hatten, warben mit einem Gesamtpaket, um chinesische als auch ausländische Klientel. Das Sorglospaket beinhaltete Flug, Visa und Reiseführung. Ich war erst zwei Monate in China und hatte keinerlei Motivation das Land zu verlassen. Viel interessanter war es für mich zu erleben, wie das chinesische Neujahr in der Hauptstadt gefeiert wurde. Wie ich von meinen Kollegen lernte, waren viele Traditionen und Regeln mit dem Fest verbunden, die sich vor allem auf die ersten 15 Tage des neuen Jahres bezogen. So gab es einen Tag an dem der Müll hinausgetragen werden sollte, an dem die Eltern der Frau, dann die Eltern des Mannes besucht werden sollten. Am 15ten Tag sollte man kleine mit Bohnenpaste gefüllte Bällchen essen, um Glück im neuen Jahr zu haben. Es steckte sehr viel Kultur und Liebe zum Detail in diesem bevorstehenden Fest. Selbst die Firma lud zu einer groß angelegten Feier ein, um mit allen Firmenangestellten die kommenden Feiertage einzuläuten. Mitarbeiter wurden gebeten, Aufführungen vorzubereiten. Während Zusammenarbeit oft ein Problem darstellte. Nun arbeiteten die Sekretärinnen verschiedenster Bereiche emsig zusammen, um das Firmenspektakel vorzubereiten, und die einzelnen Mitarbeiterbeiträge zu koordinieren. Es wurde gar ein Terminplan erstellt, wann welche Abteilung ihre Aufführung präsentierte. Nach der Arbeit, teilweise sogar während der Arbeitszeit, wurde für den grossen Auftritt geprobt. Für die Feier erhielt jeder Mitarbeiter eine Eintrittskarte, die zugleich eine Glücksnummer für die stattfindende Tombola war.

Diese zwei Wochen vor dem chinesischen Neuen Jahr wurde nur noch mit halber Aufmerksamkeit und Enthusiasmus gearbeitet. Die meisten Mitarbeiter waren mit ihrer Feiertagsplanung beschäftigt, engagierten sich für die bevorstehende Firmenfeier und waren gedanklich schon halb im Urlaub. Alles Stand im Zeichen der bevorstehenden Feiertage.

Der Chinesische Sender CCTV zeigte Berichte, mit welchem Engagement und Aufwand die Regierung daran arbeitete, allen die Heimreise zu ermöglichen. Berichte zeigten Menschenmassen, die sich in nicht enden wollenden Schlangen vor den Zugfahrkartenschaltern reihten, um eine Fahrkarte zu erstehen oder in heillos überfüllten Zugabteilen zusammengepfercht über 20 und mehr Stunden sassen und standen. Auch wurde vor erhöhter Diebstahlgefahr während der Festtage gewarnt. Im Gegenzug liefen Berichte über die effiziente Überführung manch schwarzer Schafe. Darunter vor allem Bauträger, die ihren Arbeitern die Auszahlung des Lohnes über mehrere Monate verweigert hatten. Erst auf Drängen von höchster Instanz kamen sie ihrer Pflicht nach, womit so mancher Arbeiter schliesslich doch noch genügend Geld für seine Fahrkarte nach Hause zur Familie hatte. Es waren Dramen, die sich hier hinter der Fassade abspielten. Für manch einen Arbeiter war die Stadt der einzige Arbeitsplatz, wo er Geld verdienen konnte. Während des Jahres hausten sie in ärmlichsten Verhältnissen, ernährten sich von einer großen Schüssel Reis oder mehreren Bao Zi (weiße Brote, neutral im Geschmack aber stopfend) zum Frühstück, Mittag- und Abendessen. Sie waren es, die die Rundumerneuerung der Stadt umsetzten, halfen, gewaltige Hochhäuser zu errichten, in denen die nicht abreißen wollenden Zuwanderer zur Stadt untergebracht werden sollten. Doch wurde es ihnen mit minimalstem Lohn und nahezu unmenschlichen Lebensbedingungen gedankt. Während des Jahres lebten sie spärlich, sparten ihr gesamtes Geld, um es an Neujahr in einen Zugfahrschein einzulösen. Der verbleibende Betrag wurde der zu Hause gebliebenen Familie gegeben, um diese für das kommende Jahr am Überleben zu halten. Laut offiziellen Statistiken war das jährliche Durchschnittseinkommen in Peking US$2.300. Ein wahrlich niedriger Betrag, wenn man die Tatsache berücksichtigte, dass es mitunter sehr wohlhabende Chinesen gab, deren Jahreseinkommen sich im fünf ja sogar sechsstelligen Bereich bewegte.

Nächstes Kapitel: Auf der Suche nach dem anderen Geschlecht

Das Buch bestellen bei Amazon.de: Hier klicken.

Artikel weiterempfehlen

mehr aus Chinesische Kultur

Das Jahr des Hasen

Menschen, die im Jahr des Hasen geboren sind, sind talentiert und ehrgeizig. Sie sind überall beliebt und gute Gesellschafter, weswegen sie oft im Mittelpunkt stehen.

mehr...

Kung Fu Hustle - Darsteller

In Kung Fu Hustle spielen einige der besten und bekanntesten asiatischen Schauspieler eine Vielzahl unterschiedlicher Charaktere. Die Darsteller aus Kung Fu Hustle:Stephen Chow, Yuen Wah, Leung Siu Lung, Dong Zhi Hua, Chiu Chi Ling, Xing Yu, Chan Kwok Kwan, Lam Tze Chung, Tin Kai Man, Jia Kang Xi, Fung Hak On ...

mehr...

Regelungen zur Akkreditierung der Olympia-Journalisten Peking 2008

Mitte Dezember hat der chinesische Premier Wen Jiabao einen Erlass unterzeichnet, der die Regelungen für ausländische Journalisten für die Olympiaberichterstattung regelt. China hatte bei der Ausschreibung für die Olympischen Spiele 2008 versprochen, Journalisten freien Zugang und freie Berichterstattung zu erlauben.

mehr...

Olympia 2008 und Umweltschutz in China

Das Thema Umweltschutz wurde in der Bewerbung Pekings sehr offensiv angegegangen, wohl auch um der möglichen Kritik an den offensichtlich vorhandenen Umweltproblemen in China etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen.

mehr...

China Fussball Geschichte

Die Fußballnationalmannschaft der Frauen in China hat sich vor ca. zwei Jahrzehnten in die Elite der Welt gespielt. Sie besiegten Japan im Finale um den Titel des Asienmeisters (AFC Women’s Championship 1986). 1991 verlor das chinesische Team im Viertelfinale gegen Schweden, durfte sich aber immerhin zu den besten acht der Welt zählen. Bei der Weltmeisterschaft...

mehr...