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Chinesisch lernen und Praktikum in China

Auf der Suche nach dem anderen Geschlecht

Leseprobe aus dem Buch "Unter Chinesen - Mein Jahr in China" von Michaela Lehner

In Bezug auf Begehrtheit beim anderen Geschlecht ist China zweifelsohne ein Paradies für westliche Männer. Hier bleibt ein Mann nicht lange alleine. Die östlichen Schönheiten werden es nicht müde, sie in jeder Lebenssituation zu umwerben.Die Aufmerksamkeit der Chinesinnen ist ihm garantiert, unabhängig von seinem Aussehen und Charakter. Was zählt: er ist Ausländer und das macht ihn so begehrt. Ziert er sich anfangs etwas, so verstehen es die chinesischen Amazonen geschickt, ihn in ihren Bann zu ziehen. Wer kann da schon widerstehen? Wo sonst bekommen die lieben Männer soviel Aufmerksamkeit und Bewunderung wie hier? Orte der Verführung gibt es zur Genüge.

Ein beliebter und noch harmloser Ort sind die zahlreichen Kaffeehausketten, die sich in Peking in Windeseile ausbreiten. Ausländer als auch junge moderne Chinesen, die den westlichen Lebensstil als chic empfinden, bevölkern die zahlreichen Kaffeehäuser der Stadt. Man kommt hierher, um sich mit Freunden zu treffen, auszuspannen und zu lesen. Vor allem aber machen viele westliche Geschäftsmänner diesen Ort zu ihrem Aussenbüro, indem sie in gemütlicher Atmosphäre an ihrem Computer arbeiten. Gerade der hohe Ausländeranteil macht die Kaffeehäuser zu einem idealen Ort, um Ausschau nach dem anderen Geschlecht zu halten. Aufgestylt kommen die Chinesinnen, machen es sich in einem der Sessel bequem und lassen, an ihrem Latte sippend, ihre verführerischen Blicke über die anwesenden Männer schweifen. Reagieren diese nicht, so ergreifen sie durchaus die Initiative, und verwickeln sie munter in ein erstes Gespräch.

In Kneipen mit hohem männlichen Ausländeranteil geht es schneller zur Sache. In Begleitung von Freundinnen sitzen sie kichernd am Tresen und legen es darauf an, angesprochen zu werden. Sie räkeln sich verführerisch, fixieren ihre Opfer mit ihren braunen Mandelaugen und tanzen mit ihren Freundinnen eng umschlungen. All das, um die Blicke der Männer auf sich zu ziehen. Wir westlichen Frauen fanden, ähnlich einem hässlichen Entlein, kaum Beachtung bei dem Überangebot an sich anpreisenden chinesischen Amazonen jeglichen Alters. Selbst käufliche Liebe muss Mann nicht lange suchen. Zwar offiziell verboten ist es kultureller Bestandteil der Gesellschaft.

In diversen Massageläden bieten leicht bekleidete Damen ihre Dienste an. Tiefer Ausschnitt, kurzer Rock, die Beine erotisch verführerisch übereinander geschlagen sitzen sie im Schaufenster auf ihren Schemeln und warten auf Kundschaft. Beim Anblick eines Mannes bricht Hektik aus. Sämtliche Verlockungskünste aktivierend räkeln sie sich und springen auf, um den Mann in den Laden zu zerren. So mancher schlendert nur die Strasse entlang und hat keinerlei Intention hereinzukommen. Doch die Damen zerren und ziehen an ihm um ihn von ihren Künsten zu überzeugen. Passiert man als Frau den Laden, rühren sich die Damen nicht vom Fleck. Uns Frauen schenken sie keinerlei Beachtung, außer wir sind in männlicher Begleitung. Dann kann man sich darauf gefasst machen, dass einem der Mann auf offener Strasse förmlich abgeworben wird.

In manchen Hotels klingelte zu später Stunde das Telefon oder ein Zettel mit Rufnummer gleitet durch den Türspalt. Ein eindeutiges Angebot. In mancher Hotellobby oder Bar fallen zu fortgeschrittener Stunde käufliche Frauen ein, die einem zahlenden Kunden gerne bieten, wonach ihm gelüstet. Sie fixierten die Männer erst, dann werfen sie sich auf ihre Beute. Manche Kneipe in Peking ist hierfür berühmt berüchtigt. Jeder Mann, ob Junggeselle oder verheiratet, alt oder jung, Geschäftsmann oder hier lebend, wird von den Prostituierten umworben und nicht selten aus dem Lokal ins Separee gelockt. Obwohl ich dies mehrfach gehört hatte konnte ich es einfach nicht glauben. Mit zwei westlichen Freundinnen putzten wir uns für den Samstagabend heraus um in eine Bar, die offiziell als reguläres Tanzlokal gelistet ist, zu Besuchen. So etwas hatte ich bis dato noch nicht erlebt. Am Tresen saßen Männer der mittleren bis höheren Altersklasse. Mancher war in ein Gespräch mit einer östlichen Amazone verwickelt, manch einer hielt bereits eine oder gar zwei im Arm, ein anderer war noch unversorgt. Um den Eingangsbereich reihten sich in etwas zu knappe Kleider gepackte Asiatinnen, angeblich Mongolinnen, die die kommenden aber auch anwesenden Gäste aufs genaueste beobachteten. Wir drei Mädels verunsicherten sie komplett. Westliche Frauen verliefen sich nur selten hierher. Sie kannten uns nicht und beschlossen somit uns als potentielle Konkurrentinnen zu betrachten. Auf asiatisch indirekte aber bestimmte Weise wurde uns der Kampf ansagt. Kaum hatten wir es uns in einer Sitzecke bequem gemacht, hatten wir ihre entzückenden Rücken vor uns. Somit konnten wir weder das Geschehen in der Bar beobachten, noch von anderen hinter der beabsichtigten Menschenmauer gesehen werden. Auf der Tanzfläche zu den Hits der 70er und 80er schwingend, erging es uns nicht viel besser. Standen wir anfänglich in der Tanzflächenmitte, waren wir bald in ein entlegenes Eck abgedrängt. Für die Damen waren wir spürbar unwillkommen. Ihr erklärtes Ziel war uns zu vertreiben. Den Männern waren wir vollkommen egal. Diese ignorierten uns. Schliesslich waren sie anderweitig beschäftigt. War ein Mann noch nicht versorgt, war bereits eine Asiatin damit beschäftigt, ihn zu umwerben. Wir beobachteten das Aufsehen um die Männer und machten uns einen Spass daraus uns auszumalen, was den lieben Männern wohl blühte, wenn ihre Frauen ihnen auf die Schliche kamen. Oder wussten diese bereits von den Vergnügungen ihrer Männer?

Ein westlicher Mann in Begleitung einer Asiatin gehörte hier zum Alltag. So manches Pärchen mochte nur eine Freundschaft sein, doch zahlreiche waren mehr. Romanze, ernsthafte Beziehung oder gar Ehe? Bei manchen Paaren wunderte ich mich, wie sie sich kennen gelernt hatten und vor allem, was sie aneinander band.

Rein optisch trennten sie viele Jahre. Sie wirkte oft wie ein Teenager, er hatte die 50 überschritten. Sie war herausgeputzt und aufgestylt, er wirkte, als machte er sich nichts aus Kleidung und äusserer Erscheinung. Oft schlampig gekleidet, ungepflegt gar mit Bierbauch lief er Hand in Hand mit einer schlanken Chinesin, die seine Tochter hätte sein können.

Bei so manchem Westler konnte ich mir gut vorstellen, dass sie Schwierigkeiten hatten eine Frau zu finden. In ihrer Heimat hätten sie durch ihr Verhalten und Erscheinungsbild nicht die geringste Aufmerksamkeit beim weiblichen Geschlecht erweckt. Hier jedoch stand er im Mittelpunkt, erregte Aufmerksamkeit, war gefragt und von so vielen begehrt. Er konnte sich die Frauen förmlich aussuchen. Ob Prostituierte, Chinesin aus ärmlichen Verhältnissen, Studentin oder Rückkehrerin, diejenigen, die während des Studiums im Ausland gelebt hatten. Gerade letztere und so manche Angestellte bei internationalen Firmen, empfand ihre eigenen Landsmänner als unattraktiv. Sie hatten es sich zum Ziel gesetzt, sich einen westlichen Mann zu angeln, und mit ihm ins Ausland umzusiedeln. Diesen Plan in die Tat umzusetzen gaben die Damen hier alles. In China galten für Männer andere Maßstäbe. Die Schönheit eines Mannes wird durch seinen Geldbeutel definiert. Als Ernährer der Familie hatte er diese zu versorgen. Optik ist nebensächlich. Pragmatisch genug sucht sich die Frau daher einen Mann, der dies kann. Hat er noch einen ausländischen Pass, um so besser. Die westlichen Männer genossen ihre Chancen und den Trubel um ihre Person sichtlich. So mancher konvertierte zum Matcho und fühlte sich im siebten Himmel. Oft war gerade deshalb China das Land, in dem er bleiben wollte. Konnte man es ihm verübeln?

Viele der Chinesinnen waren zart von Gestalt, hatten hübsche Mandelaugen und ein gepflegtes kindliches Gesicht. Viele wirkten als suchten sie einen Beschützer, den sie kompromisslos akzeptierten. Gingen sie aus war ihr Motto, bei der Männerwelt für sich durch einen guten optischen Eindruck zu werben. Ihre Kleidung war oft poppig auffallend, passte nicht zu der scheinbaren Schüchternheit, die sie mit einem pubertierendem Kichern vortäuschten. So manche verstand ihr Handwerk ausgezeichnet. Sie hatte keinerlei Skrupel, Männer anzusprechen und die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wenn notwendig, warf sie einen schüchternen Blickkontakt herüber oder räkelte sich erotisch verführerisch.

All das zum Leidwesen der chinesischen Männer. Sie mieden die internationalen Bars, die von westlichen Männern und Frauen besucht waren. Die Chinesinnen die hierher kamen, hatten kein Interesse an ihren Landsmännern. Dem Schönheitsideal einer westlichen Frau wurden ebenfalls viele nicht gerecht. Die Chinesischen Männer waren meist klein von Statur, schlank oder vom Übergenuss an Essen und Alkohol um Bauch und Hüfte mollig rund. Ihr rundliches Gesicht hatte einen Hauch von femininem oft kindlichen Gesichtszügen. Obwohl über 30 wirkten sie vom Verhalten oft wie pubertierende Jungs. Verglichen zu den Frauen legten sie kaum Wert auf ihr Äußeres. Kam man ihnen zu nahe schreckte man gerne wieder vor der Knoblauch- oder gar Alkoholfahne zurück. Der letztendliche Abtörner war ihr Benimm. Saß man ihnen beim Essen gegenüber, sah man, wie sie die Nase nahezu im Essteller vergraben, das Essen lauthals schlürfend in den Rachen schaufelten, bei offenem Mund kauten und rülpsten. Was nicht für den Magen bestimmt war wurde auf den Boden gespuckt. Zudem waren viele Kettenraucher und tranken gern etwas über den Durst. Schliesslich mussten sie sich als echter Mann beweisen. Manch männlicher Chinese war ein verwöhnter Matcho, der sich selbst, seine Arbeit und Verpflichtungen etwas zu wichtig nahm. Alles drehte sich um ihn. Schenkte man ihm nicht die geforderte Bewunderung, hatte man ihn die längste Zeit gekannt.

Auch mit der Treue nahmen sie es nicht so genau. Versuchung gab es auch für sie zur Genüge. Karaokeabende mit den Geschäftspartnern und anschließendes Separee oder der Besuch eines Massagesalons um dem sexuellen Gelüste gerecht zu werden waren keine Ausnahme. Die Chinesinnen wussten um die Untreue so manchen chinesischen Mannes und mieden ihn. Westliche Frauen taten dies meist ebenso doch eher aufgrund ihres Erscheinungsbildes und Verhaltens einer Frau gegenüber. Sie wirkten wie grossgewachsene Kinder. Männlichkeit strahlten wenige aus.

Während viele Chinesinnen in Begleitung eines westlichen Mannes waren, war der umgekehrte Fall, westliche Frau in Begleitung eines chinesischen Mannes selten. Nicht nur, dass die chinesischen Männer nicht unser Fall waren. Als westliche Frau entsprachen wir rein äußerlich nicht ihrem Schönheitsideal. Abgesehen, dass wir neben den zierlichen chinesischen Frauen füllig wirkten, galten wir als zu selbstbewusst, zielstrebig, ja gar streitsüchtig. Alles Eigenschaften, die ein chinesischer Mann nicht will. Er braucht Anerkennung und ja keinen Widerspruch. Chinesische Frauen sind keines Falls unselbstständig und ziellos, ganz im Gegenteil. Jedoch verstehen sie es, ihre Absichten sehr geschickt zu verpacken, in dem sie die Schwache, Schutzbedürftige vorgeben, die einen starken Mann sucht. Ist die Beziehung etabliert, ist es für sie an der Zeit, die Kontrolle zu übernehmen. Ist er zur gewohnten Zeit nicht zu Hause, ruft sie ihn ständig am Handy an um zu kontrollieren, ob er sich nicht gerade anderweitig vergnügt. Sie wissen zu gut, dass sie ihre Männer, ob Chinesen oder Westler, kontrollieren müssen. Bei all den herrschenden Verlockungen konnten ihnen diese allzu schnell fremd gehen.

Um als westliche Frau in China einen Mann für eine ernsthafte Beziehung zu angeln, musste man sich gewaltig ins Zeug legen. Die westlichen Männer waren von dem Trubel um sie verwöhnt. Unter den chinesischen Männern war die Auswahl denkbar gering. Es gab nicht viele, nach denen man sich als Frau umsah. Gab es mal einen passenden Beau, dann scheiterte es oft am Verhalten, Manieren, Gemeinsamkeiten oder einfach der Treue.

Wo fand man in China seinen „Mr. Right“? Diese Frage war ein oft und heiß diskutiertes Thema unter meinen in Peking lebenden Freundinnen.

Nächstes Kapitel: Gebrauchsanweisung für Chinesen

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